motoko dobashi

Text

Text zur Einzelausstellung "Tower of Straw" in der Galerie Dina4 Projekte München

Verena Bader M.A.
September 2010
Für die aktuelle Ausstellung hat Motoko Dobashi eine raumspezifische Installation entwickelt, die den gesamten rechten Galerieraum einnimmt. Der Besucher kann diesen Raum nicht betreten, ihn aber von außen als eine Art Schaukasten einsehen. Der Raum scheint aus dieser Betrachterperspektive heraus zu schweben, Decke und Boden werden zugunsten der Konzentration auf die zentralen Kompositionsteile der raumzeichnerischen Installation ausgeblendet. Im Mittelpunkt steht der Turm aus Stroh, den Dobashi für die vorhandene architektonische Stehle im Zentrum des Raumes entwickelt hat. Daran schließen zwei geschwungene Stellwände an, deren Wandzeichnungen zum einen eine Architekturfassade und einen illusionistisch ins Unendliche strebenden Baum, zum anderen eine Mondlandschaft zeigen. Die gesamten Raumzeichnungen sind bewusst schwarz-weiß gehalten, die reduzierte Farbgebung dient der Konzentration auf die vorhandenen und simulierten, neuen architektonischen Strukturen des Raumes. Die Rauminstallation wird durch Zeichnungen Dobashis zum selben Themenumfeld im linken Galerieraum ergänzt.
„Architektur ist nicht für ewig!“: Motoko Dobashi sieht dies als Maxime ihrer aktuellen künstlerischen Arbeit in der sie sich verstärkt mit Fragen des provisorischen Wohnens beschäftigt – einem in der heutigen, stetige Mobilität fordernden Gesellschaft bereits nahezu gängigen Modell. Sie interessiert sich für das vom Menschen Geschaffene und entwirft in ihren jüngsten Zeichnungen Bauformen aus vorgefundenen Materialien, sei es ein alter Lampenschirm als Dach für den tower of straw oder eine Pralinenverpackung als Ideengeber für eine futuristische Architekturfassade.
1976 in Tokushima, Japan geboren, absolvierte Motoko Dobashi zunächst ein Kunststudium in Japan, bevor sie 2000 nach Deutschland zog und ihr Studium 2007 als Meisterschülerin von Markus Oehlen an der Münchner Akademie der Bildenden Künste abschloss. Dobashis Arbeiten reflektieren zumeist ihren bipolaren kulturellen Background: aus der japanischen Kunst übernimmt sie die grafische, lineare Ausrichtung, Teile der Motivwelt entnimmt sie hingegen häufig der Druckgrafik und Malerei der deutschen Renaissance und Romantik. Daneben werden grafische Elemente aus Computerspielen, Street Art und Comic Strips zu fantastischen Landschaften montiert, in denen - beispielhaft für die belebte und unbelebte Natur - Bäume und architektonische Versatzstücke meist eine zentrale Rolle spielen. Dobashi war im vergangenen Jahr mit einer Wandmalerei an der Ausstellung „Favoriten08“ im Münchner Lenbachhaus beteiligt und ist in bekannten Sammlungen wie der Sammlung Sudhausbau vertreten. In diesem Jahr gewann sie den Förderpreis für Bildende Kunst der Stadt München.
 

Motoko Dobashi