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In Japan geboren und aufgewachsen, lebt Motoko Dobashi
seit sechs Jahren in Deutschland. Der Einfluss der beiden Kulturen findet
in ihrer Arbeit mehr als harmonische Fusion von Tradition und Jetzt statt,
denn als Kontrast.
Die Künstlerin beschäftigt sich hauptsächlich mit Landschaften
als Selbstdarstellung, die sie in Form von Malerei und Collage auf der Wand
entstehen lässt.
Hierbei wird die gemalte Naturlandschaft im klassischen Sinne einer romantischen
Sehnsucht interpretiert.
So setzen sich die einzelnen Elemente aus verschieden Quellen zusammen.
Es geht in dem Sinne nicht zwingend um eine real existierende Natur, auch
wenn Dobashi daher Fragmente für ihre Arbeit bezieht, sondern vielmehr
um die Darstellungen von Phantasiewelten, in denen sie sich selbst bewegt.
Teils scheinen die Wege im Bild gleichzeitig in den Wald und wieder herauszuführen
(siehe "Burg" oder "Wanderweg"). Es sind eher Schleusen
durch das emotionale Innenleben der Künstlerin, die dem Betrachter
den dramaturgischen Verlauf dirigieren. Die Darstellung findet ausschließlich
zweidimensional statt und dennoch, durch die thematische Tiefe sowie die
perspektivische Darstellung scheint man in die Wand gezogen zu werden.
Um die Fiktion ihrer Landschaften zu unterstreichen und gleichzeitig wieder
einen Bezug zum Urbanen aus der märchenhaften Natur zu bewältigen,
bedient sie sich einer populären Street Art Technik. Dafür verwendet
sie Embleme die als Schwarz-Weiß-Kopien auf die Wandmalerei appliziert
werden. Das Emblem als persönliches Signet oder Logo ihrer Selbst.
Bojen, die die so fragile Struktur, die Melancholie ihrer Werke zu ihrem
ganz Eigenen machen und sichern.
Das Farbspektrum, aus dem sie schöpft, ist konzentriert auf Schwarz-
und Blautöne mit Weiß. Die psychologische Wirkung des Schwarz-Weiß-Films
im Sinne von Erinnerung und Vergangenheit kommt hier zum Tragen, wobei die
Bilder als Stills sich nur durch die choreographische Dynamik zu bewegen
scheinen. Ein endloser Loop einer Illusion des bereits Gelebten. Landschaften,
die nicht zu betreten sind, Wege, die man sieht und die unzugänglich
bleiben. So führt die Betrachtung der Wandarbeiten wieder zu einem
Selbst zurück, in die eigene Erinnerung.
Anna Friedel, 2006