Neben der Schilderung der topographischen Gegebenheiten finden sich u.a.
logoähnliche Objekte im Bild. Diese können, wie im Ausstellungstitel
bereits
angedeutet, als Ionen aufgefasst werden. In der von der Künstlerin
praktizierten metaphorischen Verwendungsart sind sie Hinweis auf einen
ideellen Gehalt der Natur, der über rein physische Phänomene
und das
technisch Messbare hinausgeht. Hierin zeigt sich eine Naturauffassung
Dobashis, wie sie tief in der japanischen Kulturtradition verwurzelt ist.
Der Ausstellungstitel lässt aber auch Ironie anklingen gegenüber
jüngeren
Produkttrends, die durch Nachahmung natürlicher ionisierender Vorgänge
bei
Wasserfällen heilsame Wirkung versprechen. In mehrerlei Hinsicht
thematisiert die Ausstellung somit ein Verhältnis des modernen westlich
geprägten Menschen zur Natur, das im Surrogat die Kompensation für
einen
erlittenen Verlust sucht.
Die Darstellungsweise Dobashis nutzt unterschiedliche Techniken und
Ästhetiken, die sie im Sinne der Montage im Bild zusammenführt.
Kennzeichnend ist hier das genaue Austarieren zwischen einer Harmonisierung
der Fragmente zu einem funktionierenden Bildraum einerseits und einem
Sichtbarlassen ihres Zusammengefügtseins andererseits. Die Bildwirkung
oszilliert somit abwechselnd zwischen Illusionismus und seiner
Dekonstruktion.
Die Arbeiten sind malerisch indem sie sich einer nahezu monochromen,
dennoch
subtilen Farbigkeit verschreiben und mit Farbflächen als auch gestischem
Duktus hantieren. Sie sind gleichwohl aber auch grafisch, wo sich
siebdruckartige Rasterpunkte, kontrastierende Linienstrukturen sowie logo-
und symbolartige Konstrukte finden, die deutlich inspiriert sind von der
Ästhetik der Medien. Damit offenbart die Künstlerin eine real
wie medial
vermittelte Welt als ihren Erfahrungsraum, die beide gleichberechtigt
Eingang in ihre Arbeit finden. Ähnlich verhält es sich mit ihren
Motiven,
die der asiatischen wie auch der europäischen Kultur entstammen,
und in
beiden Kulturräumen ihre eigene Symbolik entfalten.
Rüdiger Belter, 2006